Hundehaltung bei den Pusztamonstern
Kein Zwingerleben, sondern Alltag in der Gruppe
Auf unserem Gnadenhof leben meist mehr als 30 Hunde – kleine und große, junge und alte, unkomplizierte und solche mit besonderen Bedürfnissen.
Viele von ihnen bringen eine Vorgeschichte mit, die ihren Alltag bis heute beeinflusst. Manche haben lange in Tierheimen gelebt, andere kamen aus schlechter Haltung, waren unterversorgt oder haben wenig kennengelernt. Wieder andere hatten zuvor ein Zuhause und kamen erst im Alter oder aufgrund veränderter Lebensumstände zu uns.
Entsprechend unterschiedlich sind ihre Bedürfnisse.
Unsere Hundehaltung ist deshalb nicht darauf ausgerichtet, alle Hunde gleich zu behandeln. Entscheidend ist, was der einzelne Hund braucht und was innerhalb der Gruppe funktioniert.
Leben in der Gruppe
Unsere Hunde leben nicht in Zwingern oder voneinander getrennten Einzelbereichen.
Sie bewegen sich gemeinsam auf unserem fast einen Hektar großen, vollständig eingezäunten Grundstück und leben mit uns im täglichen Hofalltag.
Haus und ehemalige Stallbereiche stehen ihnen als Schlafplätze, Rückzugsmöglichkeiten und geschützte Bereiche zur Verfügung. Die Hunde können selbst entscheiden, ob sie sich draußen aufhalten, Ruhe suchen oder die Nähe zu uns und den anderen Hunden möchten.
Kurzzeitig werden Bereiche getrennt oder Hunde gesichert, wenn es die Situation erforderlich macht – beispielsweise wenn Fahrzeuge auf dem Gelände bewegt werden, fremde Personen den Hof betreten oder einzelne Hunde Ruhe brauchen.
Neue Hunde brauchen Zeit
Ein neuer Hund zieht bei uns nicht einfach vom Transporter direkt in die bestehende Gruppe.
Für die erste Zeit steht ein geschützter Bereich zur Verfügung, von dem aus der Neuankömmling die Umgebung, uns und die anderen Hunde kennenlernen kann.
Wie schnell die weitere Integration erfolgt, hängt vom Hund und von der Reaktion der bestehenden Gruppe ab. Manche Hunde können schon nach kurzer Zeit gemeinsam mit den anderen auf dem Hof laufen. Andere brauchen deutlich mehr Abstand und Zeit.
Dabei beobachten wir nicht nur den neuen Hund, sondern immer auch die Dynamik der gesamten Gruppe.
Fütterung: Jeder Hund für sich
Gefüttert wird bei uns grundsätzlich getrennt.
Das hat mehrere Gründe. Jeder Hund kann in Ruhe fressen, Futterneid und Konflikte werden vermieden und wir sehen genau, wer welche Menge frisst.
Gerade bei alten oder chronisch kranken Hunden ist das wichtig. Veränderungen beim Appetit fallen dadurch schnell auf.
Außerdem können wir Medikamente, Ergänzungen und besondere Fütterungsanforderungen zuverlässig dem jeweiligen Hund zuordnen. Einige Hunde benötigen aufgrund von Erkrankungen, Allergien oder anderen Besonderheiten eine individuell angepasste Ernährung.
Nach dem Fressen geht es wieder zurück in die Gruppe.
Rückzug gehört zur Gruppenhaltung dazu
Gruppenhaltung bedeutet für uns nicht, dass jeder Hund ständig mit jedem anderen Hund zusammen sein muss.
Gerade ältere, kranke oder unsichere Hunde brauchen ausreichend Ruhe und Möglichkeiten, Abstand zu nehmen.
Deshalb gehören Rückzugsorte ebenso zu unserer Haltung wie gemeinsame Flächen. Wir achten darauf, wie sich einzelne Hunde innerhalb der Gruppe bewegen, mit wem sie Kontakt suchen und wann sie lieber ihre Ruhe haben möchten.
Auch bestehende Beziehungen zwischen den Hunden spielen dabei eine Rolle.
Nachwuchs verhindern
Auf einem Hof mit vielen Hunden muss zuverlässig ausgeschlossen sein, dass ungewollter Nachwuchs entsteht.
Kastrationen und die Organisation der Gruppenhaltung dienen deshalb auch dazu, Fortpflanzung sicher zu verhindern. Gleichzeitig berücksichtigen wir Alter, Gesundheitszustand und das individuelle Narkoserisiko eines Hundes.
Nicht jede theoretisch mögliche medizinische Maßnahme ist bei einem sehr alten oder gesundheitlich belasteten Hund automatisch auch die sinnvollste.
Medizinische Versorgung gehört zum Alltag
Viele unserer Hunde sind alt oder chronisch krank. Tierarztbesuche, Medikamente, Kontrollen und individuell angepasste Versorgung gehören deshalb ganz selbstverständlich zum täglichen Leben auf dem Hof.
Dabei verändert sich der Bedarf mit den Hunden. Was heute gut funktioniert, kann bei einem älter werdenden Hund irgendwann angepasst werden müssen.
Unsere Aufgabe besteht deshalb nicht darin, ein einmal festgelegtes Haltungssystem durchzuziehen, sondern immer wieder zu beobachten und darauf zu reagieren, was die Hunde tatsächlich brauchen.
Unser Grundsatz
Unsere Form der Hundehaltung ist kein allgemeines Rezept für große Hundegruppen.
Sie ist über viele Jahre auf diesem Hof, mit diesen räumlichen Möglichkeiten und mit den hier lebenden Hunden entstanden.
Entscheidend sind für uns ausreichend Platz, Rückzugsmöglichkeiten, genaue Beobachtung, klare Abläufe und die Bereitschaft, die Haltung an einzelne Hunde anzupassen.
Denn auch wenn viele Hunde zusammenleben: Am Ende bleibt jeder von ihnen ein Individuum.