Viele Tiere – ist das nicht Animal Hoarding?
Wer mit vielen Tieren lebt, begegnet früher oder später dieser Frage. Berichte über sogenannte Tiermessies oder Animal Hoarding zeigen oft erschreckende Zustände – und solche Berichte sind wichtig. Problematisch wird es allerdings, wenn daraus der Eindruck entsteht, dass bereits die Anzahl der Tiere darüber entscheidet, ob eine Tierhaltung verantwortungsvoll ist.
So einfach ist es nicht.
Denn sie wissen nicht, was sie tun
Bei problematischer Tierhaltung gerät nicht einfach nur die Anzahl der Tiere aus dem Blick, sondern vor allem ihre Versorgung.
Tiere werden möglicherweise nicht mehr ausreichend gefüttert, notwendige tierärztliche Behandlungen unterbleiben, Krankheiten werden nicht erkannt, hygienische Zustände verschlechtern sich oder es kommt zu unkontrollierter Vermehrung. Im schlimmsten Fall verliert ein Halter selbst den Blick dafür, dass die Situation längst nicht mehr tragfähig ist.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viele Tiere irgendwo leben, sondern unter welchen Bedingungen sie gehalten und versorgt werden.
Viele Tiere bedeuten nicht automatisch schlechte Tierhaltung. Sie bedeuten aber zwangsläufig mehr Verantwortung, mehr Organisation und die Verpflichtung, sehr genau hinzusehen, ob jedes einzelne Tier noch angemessen versorgt werden kann.
Viele Tiere bedeuten viel Verantwortung
Bei den Pusztamonstern leben seit vielen Jahren zahlreiche Tiere. Für uns bedeutet das vor allem eines: Mit jedem Tier wächst auch die Verantwortung.
Unsere Tiere bekommen die Versorgung, die sie individuell benötigen. Dazu gehören ausreichendes und geeignetes Futter, tierärztliche Betreuung, notwendige Medikamente, Parasitenkontrolle und – mindestens ebenso wichtig – Aufmerksamkeit, Kontakt und Begleitung im Alltag.
Unsere Hunde leben nicht abgeschottet in Zwingern, sondern gehören zu unserem täglichen Leben auf dem Hof. Sie sind den ganzen Tag bei uns und um uns herum. Dadurch erleben wir Veränderungen unmittelbar und können reagieren, wenn sich Verhalten, Beweglichkeit, Fressverhalten oder gesundheitlicher Zustand verändern.
Gerade bei alten, chronisch kranken oder anderweitig besonders betreuungsintensiven Tieren bedeutet das viel Organisation. Medikamente müssen zuverlässig gegeben, Veränderungen beobachtet und Tierarzttermine wahrgenommen werden. Manche Tiere brauchen besondere Fütterung, Management oder eine individuelle Tagesstruktur.
Und natürlich gehört auch das dazu, was sich schlecht in Tabellen und Versorgungspläne schreiben lässt: Zeit, Nähe, Ansprache und ausgiebige Schmuseeinheiten für diejenigen, die sie möchten.
Unkontrollierte Vermehrung verhindern
Zu verantwortungsvoller Tierhaltung gehört für uns außerdem, unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.
Das betrifft nicht nur unsere Hunde. Auch bei den anderen Tierarten auf dem Hof achten wir darauf, dass nicht irgendwann mehr Tiere geboren werden, als wir verantwortungsvoll versorgen und dauerhaft unterbringen können.
Da wir unsere Tiere nicht zur Vermehrung halten und auch nicht schlachten, gehört dazu beispielsweise, brutwilligen Hennen Eier wegzunehmen, wenn daraus Küken entstehen könnten. Gerade ein Überschuss an Hähnen würde früher oder später zu einem Unterbringungsproblem führen.
Für uns gilt deshalb ganz schlicht: Auch Fortpflanzung gehört zur Verantwortung des Menschen, der Tiere hält.
Wir leben nicht im luftleeren Raum
Ein weiterer wichtiger Punkt ist für uns der Blick von außen.
Wir haben seit vielen Jahren Kontakt zu Tierärzten, Menschen aus dem Tierschutz und weiteren Fachpersonen. Auf dem Hof sind je nach Tierart und Bedarf unter anderem Tierarzt, Hufschmied und Pferdetrainer regelmäßig eingebunden.
Damit gibt es Menschen außerhalb unseres unmittelbaren Alltags, die unsere Tiere sehen, ihren Zustand beurteilen können und erleben, wie sie gehalten und versorgt werden.
Das ist uns wichtig.
Wer viele Tiere hält, sollte nicht in einer abgeschlossenen eigenen Welt leben, in der niemand mehr von außen sieht, wie es den Tieren tatsächlich geht. Genauso wichtig ist es, Ansprechpartner zu haben, wenn man selbst bei einer Entwicklung unsicher ist oder einen fachlichen Blick von außen braucht.
Erfahrung und Sachkunde
Viele Tiere gehören für uns nicht erst seit der Gründung des Gnadenhofs zum Leben. Ich selbst lebe seit Jahrzehnten mit mehreren Hunden und hatte praktisch nie nur einen einzelnen Hund.
Zum Nachweis meiner Sachkunde habe ich vor dem Veterinäramt die umfangreichste Variante des weiterhin bestehenden Sachkundenachweises für Hundehaltung abgelegt. Die Prüfung umfasst sehr umfangreiche Kenntnisse rund um Haltung, Verhalten, Versorgung, rechtliche Grundlagen und den verantwortungsvollen Umgang mit Hunden.
Darin enthalten sind auch die Anforderungen, die für andere Sachkundenachweise zur Hundehaltung relevant sind, unter anderem für große Hunde sowie für gefährliche Hunde und Hunde bestimmter Rassen.
Den vollständigen Lerninhalt und den Prüfungsnachweis habe ich auf den folgenden Seiten dokumentiert.
Mehr über meine Sachkundenachweise →
Die Zahl allein erzählt nicht die Geschichte
Viele Tiere zu halten ist weder automatisch gut noch automatisch schlecht.
Entscheidend ist, ob die Haltung für die Tiere tatsächlich funktioniert.
- Sind alle Tiere angemessen versorgt?
- Werden gesundheitliche Veränderungen erkannt?
- Ist ausreichend Platz vorhanden?
- Sind Pflege, Hygiene und tierärztliche Versorgung gewährleistet?
- Wird unkontrollierte Vermehrung verhindert?
- Kann jedes einzelne Tier noch die Aufmerksamkeit bekommen, die es braucht?
- Und ist der Mensch, der für die Tiere verantwortlich ist, weiterhin in der Lage, die Situation realistisch einzuschätzen und bei Bedarf Hilfe anzunehmen?
Diese Fragen müssen sich Menschen mit vielen Tieren immer wieder stellen.
Wir tun das auch.
Denn am Ende entscheidet nicht die Zahl auf einer Bestandsliste darüber, wie Tiere leben – sondern das, was jeden einzelnen Tag für sie getan wird.