Johnny
14.01.2022
Update August 2026 – Wie es mit Johnnys Bein weitergeht
Inzwischen haben wir Johnny erneut in einer orthopädischen Fachklinik vorgestellt – diesmal in Mohács. Der Termin verlief sehr positiv: Der Arzt nahm sich viel Zeit, untersuchte Johnny ausführlich und erklärte uns die möglichen weiteren Wege sehr genau.
Leider hat sich dabei auch bestätigt, dass die Situation komplizierter ist als zunächst gehofft.
Johnnys schwere Verletzung stammt bereits aus dem vergangenen Jahr. Seit März 2026 ist er dreimal pro Woche beim Tierarzt, damit seine Pfote versorgt und kontrolliert werden kann. Während dieser gesamten Zeit fiel immer wieder auf, dass Johnny versucht, an freie Stellen seines verbundenen Beins zu gelangen und dort zu lecken oder zu knabbern.
Der Verband musste deshalb schließlich so angelegt werden, dass er bis über den Ellenbogen reichte und die gesamte Pfote einschloss – einfach damit Johnny keine erreichbare Stelle mehr hatte.
Bei der Untersuchung in Mohács war das Bein wieder vollständig frei. Johnny begann praktisch sofort wieder intensiv daran zu lecken und zu knabbern. Damit hat sich der Verdacht weiter verstärkt, dass zusätzlich zu den massiven knöchernen Schäden auch eine Nervenreizung beziehungsweise Nervenstörung vorliegt.
Welche Möglichkeit zum Beinerhalt gibt es noch?
Der Orthopäde sieht grundsätzlich noch eine Möglichkeit, das Bein zu erhalten.
Dafür müsste Johnnys instabiles Handgelenk operativ in einer normalen Stellung versteift werden. Weil die beiden mittleren Zehen durch die alte Verletzung zertrümmert sind, würde er anschließend trotzdem mindestens eine speziell angepasste Pfotenorthese benötigen.
Genau dabei entstehen jedoch mehrere Probleme.
Eine Orthese ist nicht dafür gedacht, dauerhaft am Hund zu bleiben. Sie wird normalerweise nur zeitweise getragen und kann selbst bei guter Anpassung Druckstellen verursachen.
Bei Johnny ist das besonders kritisch. Während der vergangenen Monate haben wir erlebt, wie empfindlich seine Haut auf Druck reagiert. Bereits ein einmal nicht ganz gleichmäßig sitzender Verband führte innerhalb kurzer Zeit zu einer Druckstelle, die offen wurde.
Gleichzeitig besteht ohne Orthese das Risiko, dass Johnny die geschädigte Pfote weiterhin über unseren Sandboden schleift und sich erneut verletzt.
Viele offene Fragen
Bei einem Versuch, das Bein zu erhalten, bleiben deshalb derzeit mehrere entscheidende Punkte ungeklärt:
-
Wird Johnny das Bein nach einer Versteifung überhaupt wieder belasten?
Das kann derzeit niemand vorhersagen. -
Kann seine dauerhaft geschädigte Pfote ausreichend geschützt werden?
Wegen der zertrümmerten Zehen wäre eine Orthese notwendig, die jedoch nicht ständig getragen werden kann. -
Verträgt Johnny eine Orthese dauerhaft ausreichend gut?
Seine ausgeprägte Neigung zu Druckstellen macht das fraglich. -
Lässt sich die vermutete Nervenreizung zuverlässig behandeln?
Möglich wäre zunächst ein mehrwöchiger Medikamentenversuch. Selbst bei gutem Ansprechen wäre damit aber noch nicht geklärt, ob Johnny das Bein später funktionell nutzen kann. -
Was passiert, wenn eine medikamentöse Behandlung dauerhaft notwendig wäre?
Dann müsste möglicherweise langfristig behandelt werden, um ein Bein zu erhalten, von dem weiterhin niemand weiß, ob Johnny es jemals belastet. -
Und was passiert, wenn all diese Versuche am Ende trotzdem nicht funktionieren?
Dann stünde nach weiteren Monaten Behandlung möglicherweise dennoch eine Amputation an.
Die Frage hat sich verändert
Für uns geht es deshalb inzwischen nicht mehr nur darum, ob man Johnnys Bein technisch irgendwie erhalten kann.
Die wichtigere Frage lautet:
Kann dieses Bein so erhalten werden, dass Johnny davon langfristig tatsächlich einen Nutzen hat?
Ein weiterer Versuch zum Beinerhalt würde zunächst mindestens weitere sechs bis acht Wochen Medikamententests und Behandlungen bedeuten, bevor überhaupt über die Versteifungsoperation gesprochen werden könnte. Danach kämen die Operation selbst, die Nachsorge, weitere Kontrollen und die Anpassung einer Orthese hinzu.
Johnny ist jedoch bereits seit März dreimal wöchentlich beim Tierarzt.
Am Ende dieses langen Weges könnte trotzdem ein Bein stehen, das er weiterhin nicht benutzt – oder die Erkenntnis, dass doch amputiert werden muss.
Deshalb denken wir inzwischen über eine Amputation nach
Johnny ist erst vier Jahre alt, ansonsten fit, normalgewichtig und benutzt das verletzte Vorderbein bereits seit langer Zeit praktisch nicht mehr. Die Gewichtsverlagerung auf seine übrigen drei Beine hat er dadurch längst weitgehend gelernt.
Nach der aktuellen orthopädischen Einschätzung tendieren wir deshalb inzwischen dazu, auf weitere Medikamentenexperimente und Beinerhaltungsversuche zu verzichten und das schwer geschädigte Bein amputieren zu lassen.
Diese Entscheidung treffen wir nicht leichtfertig.
Aber Johnny hat bereits einen sehr langen Behandlungsweg hinter sich. Ein weiteres monatelanges Programm aus Medikamententests, Operation, Orthese, Kontrollen und möglichen neuen Wunden erscheint uns nur dann sinnvoll, wenn daraus eine realistische Chance auf ein dauerhaft funktionelles Bein entsteht.
Und genau diese Sicherheit gibt es derzeit nicht.
Deshalb werden wir die Situation noch einmal ausführlich mit unseren behandelnden Tierärzten besprechen und außerdem klären, ob eine mögliche Amputation hier vor Ort durchgeführt werden kann oder ob Johnny dafür erneut in der Fachklinik in Mohács operiert werden sollte.
Für uns geht es dabei nicht darum, ein Bein um jeden Preis zu erhalten.
Es geht darum, welche Lösung Johnny langfristig das unkomplizierteste, möglichst beschwerdefreie und beste Leben ermöglicht.
05.03.2026
Johnny – freundlich geblieben, obwohl das Leben es nicht war
Manche Hunde kommen mit einer Geschichte zu uns, bei der man sich fragt, wie sie trotz allem so freundlich und offen bleiben konnten. Johnny ist so ein Hund. Der junge Australian-Shepherd-Rüde kam als Notfall auf unseren Gnaden- und Seniorenhof – viel zu dünn, mit einem schwer verletzten Vorderbein und trotzdem vom ersten Moment an freundlich, verträglich und Menschen gegenüber ausgesprochen zugewandt.
Eine Verletzung mit vielen Fragezeichen
Auf Johnny aufmerksam wurden wir durch einen Hilferuf für einen stark humpelnden Hund, für den dringend ein Platz gesucht wurde. Als wir uns nach ihm erkundigten, wurde uns erzählt, Johnny habe sich bereits im Vorjahr schwer am Vorderbein verletzt. Als Ursache wurde eine Schlagfalle genannt. Er soll damals tierärztlich untersucht worden sein; dabei sei eine massive Zertrümmerung festgestellt und zur Amputation geraten worden. Zu dieser Operation kam es jedoch nicht.
Johnny lebte also weiter mit dem schwer verletzten Bein. Als er schließlich zu uns kam, war die alte Verletzung deutlich sichtbar. Das Vorderbein war stark verdickt und er konnte es nicht zum Laufen nutzen. Später zeigten auch die Röntgenbilder sehr deutlich, wie massiv die alte Schädigung tatsächlich war. Zusätzlich bestanden schwere Verletzungen im Bereich der Zehen.
Für diese neueren Verletzungen erhielten wir erneut die Erklärung, Johnny sei vermutlich ein zweites Mal in eine Schlagfalle geraten – wieder mit demselben Vorderbein. Ob seine Verletzungen tatsächlich auf diese Weise entstanden sind, wissen wir nicht. An dieser Darstellung haben wir erhebliche Zweifel. Was Johnny wirklich passiert ist, lässt sich heute nicht mehr sicher nachvollziehen, und deshalb möchten wir auch keine Vermutungen als Tatsachen darstellen.
Sicher ist, was wir selbst gesehen haben und was die Untersuchungen zeigen: Johnny hatte eine massive alte Verletzung des Vorderbeins, die über längere Zeit nicht ausreichend versorgt worden war, sowie zusätzliche schwere Schäden an seiner Pfote. Er hätte schon lange medizinische Hilfe gebraucht.
Johnny kommt zu uns
Als wir von ihm erfuhren, war Johnny zwar zunächst gesichert, konnte dort aber nicht dauerhaft bleiben. Für ihn wurde dringend ein Platz gesucht, und wir sagten seine Übernahme zu. Kurz darauf kam er zu uns auf den Hof.
Schon bei den ersten genaueren Untersuchungen wurde deutlich, wie schwer sein Vorderbein tatsächlich geschädigt war. Mehrere Zehen waren zertrümmert, teilweise fehlten Knochenanteile vollständig. Zusätzlich bestanden massive Nervenschäden. In weiten Teilen seiner Pfote hatte Johnny kaum noch Gefühl. Er konnte das Bein nicht normal benutzen und schleifte die Pfote beim Laufen über den Boden, wodurch immer wieder zusätzliche Verletzungen an Haut und Gewebe entstanden.
Die Untersuchung in Budapest
Wir stellten Johnny deshalb in der orthopädischen Fachklinik FuzioVet in Budapest vor. Dort wurde er ausführlich untersucht und erneut geröntgt. Die erste Einschätzung lautete zunächst Amputation. Nach genauer Begutachtung zeigte sich jedoch, dass möglicherweise noch eine andere Möglichkeit besteht.
Johnnys Pfote muss zunächst vollständig verheilen. Anschließend sollen die stark zerstörten Bereiche der Zehen operativ entfernt und das Gelenk stabilisiert beziehungsweise versteift werden. Danach soll Johnny zusätzlich mit einer speziell angepassten Orthese unterstützt werden. Ob er jemals wieder völlig normal laufen wird, wissen wir nicht. Aber es besteht die Chance, dass er sein Bein behalten, wieder besser belasten und langfristig deutlich stabiler laufen kann. Diese Chance möchten wir ihm geben.
Und Johnny selbst?
Das eigentlich Bemerkenswerte an Johnny ist jedoch nicht sein Bein, sondern Johnny selbst. Wer nach seiner Vorgeschichte einen unsicheren, misstrauischen oder schwierigen Hund erwartet, lernt einen völlig anderen Australian Shepherd kennen. Johnny ist freundlich, offen und ausgesprochen liebenswert. Er versteht sich gut mit den anderen Hunden, sucht Kontakt zu Menschen und hat sich erstaunlich selbstverständlich in unseren Alltag eingefügt.
Er gehört zu den Hunden, bei denen man schon nach kurzer Zeit das Gefühl hat, sie seien eigentlich schon immer da gewesen.
Seine Vergangenheit können wir nicht ändern. Wir können nicht mehr sicher herausfinden, was mit seinem Bein tatsächlich passiert ist, und wir können auch nicht ungeschehen machen, dass eine so schwere Verletzung lange nicht ausreichend versorgt wurde. Aber wir können dafür sorgen, dass Johnny heute bekommt, was er braucht: medizinische Versorgung, Sicherheit, Verlässlichkeit und einen Platz, an dem er bleiben darf.
Und eines wird Johnny nie wieder erleben müssen: dass die Hilfe, die er braucht, davon abhängt, ob jemand findet, dass sie sich für ihn lohnt. Für uns stellt sich diese Frage nicht. Johnny ist die Hilfe wert – heute und an jedem Tag, der noch kommt.
Johnny gehört jetzt zu den Pusztamonstern. Und hier bleibt er.