Die Hirschlausfliege – oder: Der Endgegner jedes Hundespaziergangs
Es gibt Menschen, die haben Angst vor Spinnen. Andere mögen keine Wespen. Ich habe meinen ganz persönlichen Endgegner: die Hirschlausfliege.
Genauer gesagt beginnt mein persönlicher Ausnahmezustand immer dann, wenn sich eine Hirschlausfliege auf einem unserer Hunde befindet. In diesem Moment läuft in meinem Kopf nur noch ein einziges Programm ab: Kann ich Jürgen laut genug zurufen, bevor das Vieh den Hund verlässt?
Die Antwort lautet zum Glück meistens: Ja. Denn erstaunlicherweise kann ich offenbar so laut schreien, dass Jürgen mich selbst dann hört, wenn er sonst nicht jedes Wort versteht.
Mein Standardsatz lautet dabei immer derselbe: „Da ist ein Viech!“
Spätestens dann weiß Jürgen, dass einer unserer Hunde eine Hirschlausfliege mitgebracht hat – und ich bereits auf dem Rückzug bin. Ich behaupte übrigens ganz ernsthaft, dass ich in diesen Momenten schneller renne als alle unsere Hunde. Von außen sieht das vermutlich ein bisschen aus wie Woody Woodpecker auf der Flucht. Man erkennt eigentlich nur noch eine Staubwolke.
Was ist eine Hirschlausfliege überhaupt?
Die Hirschlausfliege gehört zu den Lausfliegen und lebt ursprünglich auf Wildtieren wie Hirschen, Rehen oder Wildschweinen. Leider scheint sie aber gelegentlich der Meinung zu sein, dass auch Hunde und ihre Menschen durchaus interessante Zwischenstopps sein könnten.
Hat sie erst einmal einen passenden Wirt gefunden, wirft sie ihre Flügel ab und beginnt zu laufen. Und genau da endet bei mir jede Gelassenheit.
Häufiger Irrtum
„Das ist doch nur eine etwas größere Fliege.“ Leider nein. Sobald eine Hirschlausfliege gelandet ist, wirft sie ihre Flügel ab und krabbelt blitzschnell durch Fell oder Haare. Wer einmal versucht hat, sie einzufangen, weiß: Das ist deutlich schwieriger, als es aussieht.
Gefühlt hat sie 200 Beine
Natürlich weiß ich, dass eine Hirschlausfliege keine 200 Beine hat. Tatsächlich sind es nur sechs. Gefühlt sind es allerdings mindestens 200 – und alle scheinen gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen zu laufen.
Kaum hat man entdeckt, wo sie gerade sitzt, ist sie schon wieder verschwunden. So schnell kann man manchmal gar nicht reagieren. Ich habe bis heute den Verdacht, dass diese Tiere heimlich für die Olympischen Spiele der Krabbeltiere trainieren.
Noch schlimmer wird es, wenn einer unserer Hunde plötzlich hektisch aufspringt, ständig auf seinen Rücken oder seine Hinterbeine schaut oder versucht, sich selbst zu schnappen. Dann weiß ich eigentlich schon, was los ist.
Und dann gilt nur noch eins: Da ist ein Viech!
Pusztamonster-Erfahrung
Während viele Menschen Hirschlausfliegen vor allem mit dem Herbst verbinden, begegnen sie uns hier häufig schon im Frühjahr. Seit Jahren gehören diese kleinen Plagegeister leider zu unserem ganz normalen Alltag.
Wenn der Hund plötzlich hektisch wird
Inzwischen reicht oft schon ein kurzer Blick auf unsere Hunde. Springt einer plötzlich hektisch herum, schaut immer wieder auf seinen Rücken oder versucht, etwas Unsichtbares loszuwerden, schauen wir sofort genauer hin.
Ich allerdings meistens mit etwas Sicherheitsabstand.
Denn solange die Hirschlausfliege noch auf dem Hund sitzt, besteht zumindest die Hoffnung, dass sie dort bleibt. Beschließt sie jedoch, auf einen Menschen umzuziehen, endet meine Gelassenheit schlagartig.
Was hilft wirklich?
Die perfekte Lösung haben wir bis heute leider nicht gefunden. Wir kontrollieren unsere Hunde gründlich und entfernen Hirschlausfliegen möglichst schnell. Gerade wenn ein Hund plötzlich ungewöhnlich unruhig wird oder sich auffällig kratzt, lohnt sich ein genauer Blick ins Fell.
Zum Glück sind Hirschlausfliegen zwar ausgesprochen lästig, führen aber nicht automatisch zu gesundheitlichen Problemen. Ihre Stiche können allerdings schmerzhaft sein und bei Menschen wie Hunden deutliche Hautreaktionen hervorrufen.
Darauf solltest du achten
Zeigt dein Hund nach einem Waldspaziergang plötzlich ungewöhnliche Unruhe, springt immer wieder auf oder schaut auffällig häufig auf Rücken oder Hinterbeine, lohnt sich eine gründliche Kontrolle des Fells. Manchmal steckt tatsächlich eine Hirschlausfliege dahinter.
Unser Fazit
Eigentlich lieben wir Wald und Feld. Wir genießen die Ruhe, die Natur und die gemeinsame Zeit mit unseren Hunden.
Es gibt allerdings eine einzige Waldbewohnerin, mit der ich bis heute keine Freundschaft geschlossen habe: die Hirschlausfliege.
Sie wird das vermutlich verschmerzen. Ich übrigens auch. Aber nur, solange sie bitte einen respektvollen Abstand zu mir hält.
Pusztamonster-Gedanke
Es gibt viele schöne Überraschungen, die uns ein Spaziergang mit Hund schenken kann. Eine Hirschlausfliege gehört ganz eindeutig nicht dazu.
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Über die Autorin
Birgit Hilse leitet seit 2007 den Gnaden- und Seniorenhof von Pusztamonster e.V. Ihre Erfahrungen stammen aus dem täglichen Zusammenleben mit alten, chronisch kranken, ängstlichen und nicht vermittelbaren Hunden sowie aus langjähriger praktischer Tierschutzarbeit.
Sie verfügt unter anderem über die Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz und verbindet praktische Erfahrung mit fachlicher Weiterbildung und einer realistischen Einordnung des Hundealltags.
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Über Pusztamonster e.V.
Pusztamonster e.V. Gnaden- und Seniorenhof ist ein Tierschutzverein mit eigenem Gnadenhof in Ungarn. Bei uns leben vor allem alte, kranke, gehandicapte und traumatisierte Hunde, die oft nicht mehr vermittelt werden können oder sollen.
Seit fast 30 Jahren begleiten wir Hunde mit ganz unterschiedlichen Geschichten – von Seniorenhunden über Angsthunde bis hin zu ehemaligen Kettenhunden und Hunden mit besonderen Bedürfnissen.
In unserem Blog teilen wir Erfahrungen, Geschichten und Einblicke aus dem Alltag mit mehr als 30 Hunden – ehrlich, persönlich und direkt aus dem Leben auf dem Gnadenhof.